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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Kambodscha - Alltagsszenen

Dass wir in Kambodscha nicht nur Tempel angeschaut haben, zeigen die folgenden Fotos.
Kambodscha ist ein sehr armes Land, die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Man sieht endlose Getreidefelder - ueberwiegend Reis - und einfachste Huetten zumeist aus Holz. Haufig sind die Huetten auf Stelzen errichtet, einmal wegen des Hochwassers in der Regenzeit und als Schutz vor Tieren. Die Fluesse sind leider wie ueberall in Asien total verschmutzt.
Wenn man so ueber Land faehrt, sieht die Szenerie fuer uns Westler meist ganz idyllisch aus: Ein paar Palmen, Holzhuetten, meistens eine Kochstelle, direkt vor dem Haus, spielende Kinder ...
Das Hauptinteresse auch der Kambodschaner scheint sich darauf zu richten, mit dem hart erarbeiteten Geld einen Motorroller zu erwerben. Davon gab es zwar nicht so viele wie in Vietnam, aber auch dieses Land scheint auf dem Weg zu sein Fahrraeder und irgendwelche von Tieren gezogene Gefaehrte hinter sich zu lassen. - Zu Fuss geht in Sued-Ost-Asien uebrigens kaum jemand.

Foto 1:

In Kambodscha scheint jeder ein Geschaeft zu betreiben. Hier eine Haendlerin, die mit etwas Essbarem, das sie zum Verkauf
anbietet, unterwegs ist. Manchmal tragen die Haendler auch ein Vorrichtung mit, auf der sie ihre Ware zur Praesentation absetzen koennen.






Foto 2:

Von Siem Reap geht der Tonle Sap Fluss ca. 12 km zum Tonle Sap See. Rechts und links
am Flussufer stehen einfache Huetten auf Stelzen. Das Abwasser wird direkt in den Fluss geleitet .









Foto 3:

In der Naehe vom Tonle Sap See war eine kleine Schule fuer Waisenkinder direkt an der Hauptstrasse. Wir fuhren nachmittags mit dem Fahrrad vorbei und einer der Lehrer winkte uns herein. Die Kinder und einer der Lehrer schlafen in einer Huette neben der Ein-Raum-Schule. Vom Staat erhaelt die Schule keine Unterstuetzung und so ist man auf Spenden angewiesen. Als klar war, dass wir auch etwas spenden wollten, setzten die Jungen sich ganz brav in die Baenke. Der Lehrer hat uns noch allerlei erklaert, aber viel haben wir von seinem Englisch nicht verstanden. Aus unserem schlauen Reisefuehrer wissen wir, dass es sich in diesen Schulen nicht immer um Waisen handelt, sondern um Kinder aus kinderreichen Familien, deren Eltern die Kinder nicht ernaehren koennen.


Foto 4:

Hier faengt ein Junge in einem Tuempel Fische. Wir haben uns seinen Fang hinterher angesehen und er hatte tatsaechlich ein paar Fische gefangen. Wir haben auch Maenner gesehen, die versucht haben, Fische in dieser schlammigen Bruehe mit der Hand zu fangen. Kinderarbeit ist in Kambodscha haeufig zu sehen, vor allem natuerlich fuer uns die Massen an Kindern und Jugendlichen, die irgendetwas verkaufen wollen.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Sambor preikuk - Tempel der Vorangkor-Periode

Dass deutsche Entwicklungshilfe Auswirkungen hat, von denen man in Deutschland ja sonst nichts mitbekommt, konnten wir gestern erleben. Ein 30-jaehriger Guide bot sich uns in Sambor preikuk als Fuehrer an. Sambor preikuk ist ein Wald mit zahlreichen Tempelruinen 30 km von Kompong Thom entfernt . Bouteng, so sein Vorname, erklaerte, dass er als Jugendlicher aus dem Dorf eine Ausbildung zum
Touristenfuehrer durch die Gesellschaft fuer technische Zusammenarbeit
(GTZ) erhalten haben, die anstatt Geld zu spenden, den jungen
Leuten lieber eine Ausbildung gebe. Bei ihm hat sich die Investition auf jeden Fall gelohnt: Er fuehrte uns freundlich und kompetent durch die Tempelruinen. Sein Englisch hat er sich weitgehend selbst beigebracht und zur Zeit versucht er sich autodidaktisch an Franzoesisch. Bouteng wirkte sehr identifiziert mit dem historischen Platz. Die Kinderschar, die uns begleitete, forderte er auf, den Muell, den vor allem die inlaendischen Touristen fallen lassen, aufzuheben. Beim Muellsammeln war Bouteng auch selbst aktiv.

Mir hat der Besuch dieser Ruinen sehr viel Spass gemacht, nicht zuletzt wegen des ansteckenden Interesses von Bouteng und weil wir fast die einzigen Touristen dort waren.
Bei den Ruinen
handelt es sich um zerfallene Tempel des Chenla Reiches, dessen Hauptstadt Isanapura, in der Naehe der Tempel war. Wie die Tempeln der Cham, die wir in My Son / Vietnam besichtigt haben, basierte auch diese Tempelkultur auf der hinduistischen Religion beeinflusst von indischen Verbindungen. Zeitlich werden die Tempel der vor Vorangkor-Periode zugeordnet. (ab dem 7. Jahrhundert). Die Tempel sind Bauten aus
Ziegelsteinen, die den Goettern Shiva, Vishnu und Brahma gewidmet waren. Sowohl ihre Standbilder sowie die meisten Aussenverzierungen sind zerstoert und gestohlen worden, einige findet man im Museum in Phnom Penh. Uebrig geblieben sind einige Yonis (Zeichen fuer die weibliche Fruchtbarkeit, die
Linga waren alle gestohlen) und zwei Loewen aus Sandstein.
Interessant war auch der Kopf eines Mannes, der den Archeologen noch Raetsel aufgibt, da er kein Khmer und auch ein Inder zu sein scheint. (siehe Foto). Welches Volk siedelte also noch in dieser Gegend?

Wer mehr ueber Sambor preikuk und die Arbeit der GTZ dort wissen will:


http://www.samborpreikuk.com/index.php


http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,717493,00.html

Das letzte Foto zeigt den Blick im Inneren eines Tempels nach oben.

Uebernachtet haben wir in Kompong Thom, direkt an der Nationalstrasse, die Phnom Penh mit Siem Reap verbindet. Mit dem Roller sind wir zu den Tempelruinen geknattert, ueber sehr schlechte, staubige Landstrassen und durch sehr einfache Doerfer mit Holzhaeusern auf Stelzen. Hinterher waren wir total verdreckt.

Freitag, 17. Dezember 2010

Phnom Penh - zwei Tage und drei Naechte

Phnom Penh ist die Hauptstadt Kambodschas. Die Stadt hat zwei Millionen Einwohner (Stand 2006) und liegt im Südwesten des Landes am Tonle Sap, einem Zufluss des Mekong. Über den Mekong ist die Stadt auch für kleinere Seeschiffe erreichbar. Phnom Penh ist das mit Abstand bedeutendste wirtschaftliche Zentrum des Landes. - Soweit http://wikipedia.de/

Wir sind in P.P. abends total erschlagen von der anstrengenden Fahrt aus Vietnam angekommen, ohne reservierte Unterkunft und lokalem Geld, sondern nur mit 11 US $ in der Tasche. Mit der 1 US $ Note haben wir einen Tuk-Tuk-Fahrer verpflichtet uns in ein Hotel zu bringen, welches wir uns vorher gezielt im Reisefuehrer ausgesucht hatten. Natuerlich ging das dann aber nicht direkt dorthin, sondern noch an einigen anderen Hotels, die uns der Fahrer ungefragt vorschlug vorbei, sodass wir uns noch mal unmissverstaendlich artikulieren mussten, was wir wollten. Mein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang hier in Suedost-Asien ist "I think that is the Best for you." Eine gute Gelegenheit sich in Gelassenheit und Freundlichkeit zu ueben, auch wenn einem eigentlich nicht danach ist.So hat es uns trotz kleinerer Schwierigkeiten sehr gut in der Stadt gefallen. Wir haben uns am ersten Tag das National-Museum angeschaut. Ein wunderschoener vierteiliger Pavillion mit einem entspannten, interessant gestalteten Gartenbereich in seiner Mitte. Hier haben wir Kunstwerke aus der weitgespannten Geschichte des Landes bestaunt und bekamen schon mal einen Vorgeschmack auf Angkor Wat. Viele kleinere Statuen und Kunstgegenstaende sind naemlich in Museen ausgelagert worden, um Angkor Wat vor Kunstraeubern und Vandalismus zu schuetzen. Zudem gab es auch Kunstwerke aus der Vor- und Nachbluetezeit des Landes zu sehen, die einen guten Eindruck der Kunstfertigkeit der Kambodschaner vermittelten.

Unser zweites Highlight war der weitlaeufige Koenigspalast, der aber nur teilweise besichtigt werden kann, da es die offizielle Residenz des Koenigs, Koenig Sihamoni, ist. Besonders sehenswert sind die Kroenungshalle und die Silberpagode. Letztere verdankt ihren Namen den 5.000 silbernen Bodenfliessen, die jeweils 1kg schwer und Buddha geweiht sind. Leider durfte man in beiden Gebaueden keine Fotos machen, aber in der Pagode haben wir neben einem sehr schoenen Jade-Buddha (besteht jedoch aus Baccarat-Kristall), einen stehenden Buddha besichtigen koennen, der mit ueber 2000 Diamanten bestueckt war. Der groesste davon hat 25 Karat. Viele Gegenstaende, wie Tragen, Stuehle und exotische Schirme waren reich mit Gold und Silber verziert. Manche Figuren waren so massenhaft vorhanden, dass wir uns schon in einem Bazar waehnten (welchen Buddha haettens denn gern?). Alles in allem war der Palast sehenswert, aber historisch neueren Datums. Beide Gebaeude, Kroenungshalle und Silberpagode wurden naemlich erst im letzten Jahrhundert neu auf ehemalige Holzkonstruktionen erbaut (1919 und 1962).

Das Nationalmuseum und der Palast haben die Schrecken der Roten Khmer gut ueberstanden. Waehrend des Genozids unter Pol Pot (1975, 1979) zerschlug das neue Regime die bestehenden Gesellschaftsstrukturen. Phnom Penh wurde innerhalb von 24 Stunden nahezu komplett entvölkert. Es gibt in der Stadt zwei Orte, die an diese dunkle Zeit des Landes erinnern und die man besichtigen kann: Killing Fields und das Tuol Sleng Museum. Letzteres war eine innerstaedtische Schule, die in eine Art KZ zweckentfremdetet wurde. Bei den Killing fields sind Massengraeber, in denen man ueber 17.000 Leichen vermutet, die groesstenteils erschlagen wurden. Wir haben uns diese beiden Orte bewusst nicht angeschaut, schliesslich war Michaels Geburtstag.

Gestern waren wir bei einem Trommelkonzert. Es war eine beeindruckende Vorstellung mit mitreissenden Rythmen und kraftvollen Taenzen. (Bilder koennen das leider nicht vermitteln.)Da die Kinder in der Nachbarschaft umsonst, dieses leider relativ duenn besuchte Konzert ansehen durften, waren die Sitzreihen auf dem staubigen Hinterhof der Sovann Phum Art Association schnell gefuellt. Als dann noch vier "Affen" sich der Trommeln bemaechtigten und allerlei Unfug anstellten, war die Freude und der Jubel unter den Zuschauern gross.